Coolcation - Kühle Reiseziele in Europa

Ein Trend-Wort macht die Runde – Coolcation. Die Übersetzung heißt Reiseziele in kühleren Regionen. Gemeint ist die Flucht aus der Hitze des Südens. Steht hinter der Wortneuschöpfung eine Marketing-Idee der Branche, um neue Reiseströme zu generieren und Ziele attraktiver zu machen? Oder geht es um ein Umdenken und -lenken, um Reaktionen auf den Klimawandel und um nachhaltiges Reisen?
Fakt ist: Die Branche spricht von einer steigenden Nachfrage an Urlaub in intakter Natur und verträglichem, gewohnten Klima. Von Menschen, die wandern, Natur genießen und Kultur erleben wollen. Vor allem aber: die die Ruhe abseits ausgetretener Massentourismuspfade suchen. Das Thema ist nicht neu, aber mit Coolcation hat das Kind einen Namen bekommen.
Der folgende Artikel und gibt Reisetipps zum Coolcations-Trend. Beispielsweise ein traumhafter Spot an der Ostsee in Dänemark. Sechs Regionen in Deutschland, wie sie unterschiedlichster kaum sein könnten. Die Niederlande und ihr Weltrekord in Sachen Vergnügungsparks. Plus Welterbe-Kultur und eine Sahara in Belgien.

Was ist eine Coolcation?
Was ist Coolcation in der Übersetzung? Cool steht für kühleres Klima, cation ist die Abkürzung für „vacation“, Urlaub. Es geht um Ferien in kühleren Regionen, aber keineswegs nur im Eishotel, auf Antarktis-Kreuzfahrt, auf den Lofoten oder per Hundeschlittentour. Zusammenfassend ist schlichtweg Urlaub in gemäßigten Klimazonen gemeint. Genauer gesagt, Reisen in Gebiete mit gewohnten, angenehmen Temperaturen statt Dürre und Trinkwassernot. Ein weiterer Aspekt ist Nachhaltigkeit statt unter Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Und die Möglichkeit zu abwechslungsreichen Tagen auch ohne Badewetter.
Den Trend begünstigt der Klimawandel. Prognosen sehen die Mittelmeerländer auf Hitzenotstände zusteuern, während sich die bisher mediterranen Klimazonen gen Norden verschieben. Schließlich büßen auch fernere Ziele wie die Karibik an Zugkraft gegenüber Europa ein.
Coolcation-Reisende weichen aber nicht nur der Hitze aus. Sie wollen zum Beispiel eine üppige Natur grüner Wälder und Wiesen genießen. Sie lieben Wandern, Radfahren oder Windsurfen. Im Urlaubs-Trend liegt Kulturgenuss in Städten, Schlössern oder Parks: in Brügge statt Marbella, an der Nordsee statt der Ägäis. Hinzu kommen kurze Wege und umweltfreundliches Reisen statt klimaschädlichem Fliegen. Und last but not least: Ferienhäuser im Grünen statt Hotelburgen an überlaufenen Stränden.
Coolcation in Dänemark
„Der er et yndigt land…“, es gibt ein liebliches Land: Zeile eins der dänischen Hymne. Dänemarks Nord- und Ostseeküsten sind mehr als dreimal so lang wie die deutschen. Über 1400 Inseln und unzählige Buchten sprenkeln die Geografie. Kein Ort in Dänemark liegt weiter als 50 Kilometer vom Meer und seinen endlosen, sauberen und oft menschenleeren Stränden entfernt. Hitzefans mögen Dänemark eine Coolcation nennen. Im Reisekoffer dürfen T-Shirt und Badehose aber ebenso wenig fehlen wie Jacke und Pulli. Kulturell gehört es zu Skandinavien, klimatisch zu Mitteleuropa.
Was Urlauber an Dänemark lieben: vor allem die malerischen Küstenlandschaften an der seichten Ostsee. Dazu die lässig-entspannte Lebensart der nordischen Menschen. „Hygge“ für Gemütlichkeit ist das berühmteste Wort der dänischen Sprache. Ebenso typisch ist die Familienfreundlichkeit der Gastgeber. Dänemark gilt als Synonym für Urlaub in geräumigen und kinderfreundlichen Ferienhäusern im Herzen der Natur.
Weit weg und doch so nahe: Kurz hinter der deutschen Grenze, um Förden und Buchten herum, führt eine Brücke auf die Ostseeinsel Als. Rings um das gemütliche Hafenstädtchen Sønderborg und das beschauliche Nordborg breiten sich naturbelassene Sand-, Wald- und Wiesenufer aus. Perfekt für die Ausfahrt aus dem Alltag.

Coolcation in Deutschland
Deutschland ist …: Urlaub an der See und im Gebirge. In traumhaft grünen Landschaften zwischen Nordsee und Alpen. In Ferienparks mitten im Herzen der Natur. Sechs Regionen stehen stellvertretend für den Urlaubs-Reichtum Deutschlands. Für jede gilt: Das gibt es nirgends anders in dieser Form.
Das Wattenmeer bei Tossens an der Nordseeküste zum Beispiel. Die Meere von lila Heideblüten auf Sandböden mit eiszeitlichen Findlingen im Naturpark Lüneburger Heide bei Bispingen. Das Rothaargebirge im Hochsauerland mit Wäldern und Skipisten – eine Coolcation vor der eigenen Haustür für Wintersportler und Bergwanderer im Sommer. Die Vulkankegel- und Seenlandschaft im geologisch immer noch aktiven Herzen der Eifel rings um Gunderath und Kelberg. Der Süd-Hunsrück im Saarland mit dem Insidertipp Bostalsee – einem Wassersport-Eldorado zwischen Pfalz und Mosel. Und schließlich das Allgäuer Voralpenland. Wo braune Kühe auf sattgrünen Almwiesen vor schneebedecken Berggipfeln grasen. Nur Tagesausflüge entfernt: der Bodensee, die Bergseen und die Schlösser des bayerischen Märchenkönigs.
Familien-Urlauber finden in diesen Regionen Ferienparks mit Ferienhäusern in freier Natur, umgeben von Wäldern, Wiesen und natürlichen Seen. Auch der Lust nach Südsee lässt sich durchaus frönen – in Ferienresorts mit Indoor-Wasserparks unter Tropenpalmen.
Coolcation in den Niederlanden
An der niederländischen Nordsee steigt die Wassertemperatur im Sommer oft deutlich über 20 Grad. Verglichen zur Riviera eine Coolcation, aber ideal für Surfer und Sommerfrischler. Fast immer weht ein angenehmer Seewind. Auch Badende fühlen sich wohl beim Sonnen auf den kilometerlangen, sauberen Stränden von Badeorten wie Ouddorp oder Zandvoort. Die Lieblingsbeschäftigung vieler Urlauber lautet Relaxen im Strandkorb, Sandburgen Bauen oder Kitesurfen über Strand, Wellen und Grasdünen.
Was sagen Reisende, wenn sich die Sonne hinter Wolken hinter Wolken versteckt? „Zum Glück sind wir in Holland!“. Hier finden Urlauber die höchste Dichte an Vergnügungsparks weltweit! Der Größte: Efteling bei Tilburg mit 40 Highlights, davon sechs Achterbahnen. Ein Tipp für Abenteurer ist der Wildwestpark Slagharen in der Grenzprovinz Overijssel. Überhaupt befinden sich viele der attraktivsten Vergnügungsparks an der Grenze zu NRW oder Niedersachsen, etwa bei Venlo oder in Coevorden nahe Meppen.
Typisch für Holland ist ein Dualismus: zum einen urbane Verdichtung mit sehenswerten Zentren wie Amsterdam, Delft oder Haarlem. Zum anderen das unendlich flache, grüne Land der Wiesen, Kanäle und Tulpenfelder. Und überall: Vergnügungsparks voller Attraktionen. Plus: ruhige Familien-Ferienparks mit Ferienhäusern umgeben von Wäldern, an Stränden und an Seen.
Coolcation in Belgien
Mittelalterliche Gassen, schmuckvolle Giebelhäuser und Marktplätze mit gotischen Türmen voller Ornamente. Und ein Lüftchen von der nahen See: Belgiens Highlights sind glanzvolle Altstädte, zu besichtigen in jeder Jahreszeit. Die schönste in Europa, sagen viele, sei die UNESCO-Welterbestadt Brügge mit ihren Grachten und Palästen alter Kaufmannsdynastien. Einen Steinwurf entfernt lockt die Nordsee mit Badeorten wie Knokke oder De Haan. Wenn das keine Alternative zum überlaufenen und Eintritt nehmenden Lagunenstädten an der Adria ist! Die knusprigen Fritten und die süffigen Trappistenbiere aus uralten Klöstern gibt‘s ohnehin nur hier.
Auch das kleine Belgien ist ein Land großer Gegensätze. Hier das niederländisch sprechende Flandern mit seinen Metropolen einer vergangenen goldenen Ära. Dort das französischsprachige Wallonien mit seinen urtümlichen Dörfern, Bergen und Landschlössern. Noch vor Jahrzehnten galten die bewaldeten Täler der Ardennen als undurchdringlich und touristisch kaum erschlossen. Längst haben Wanderurlauber die Region für sich entdeckt. Die Zahl ist überschaubar, die Aufnahme durch die Gastgeber herzlich.
Belgiens Geheimtipps? Zum Beispiel De Hoge Kempen, das Naturschutzgebiet mit Mooren und Wäldern. Und die Lommelse Sahara. Ein Ort zum Staunen für alle, die glauben, in Belgien gäbe es keine Wüsten. Weiße Sanddünen, Kiefernwälder und klare Seen. Kontraste!

Fazit
Wer eine Coolcation sucht, muss nicht nach Island reisen. „Cool“ sind Städtetrips, Wandertouren, Landschaften oder Baden bei angenehmen Temperaturen. Perfekt, wenn auch die Unterkunft passt. Wenn es ein Ferienhaus im Herzen der Natur auf die Gäste wartet. In Ferienparks, die zudem nachhaltig und natürlich bewirtschaftet werden.
Ein Tipp für Reisende in Reichweite heißt Center Parcs. Die insgesamt 28 Ferienparks in Europa bestehen zu über 90 Prozent aus Grünflächen wie Wiesen, Wäldern oder Seen. Neunmal gibt es Center Parcs in den Niederlanden: an beliebten Nordsee-Badeorten, in der Nähe von großen Vergnügungsparks oder Naturschutzgebieten. In Deutschland lesen sich die Namen der Parks wie ein Who-is-Who beliebter Urlaubsregionen: Park Nordseeküste in Tossens, Bispinger Heide im Naturpark Lüneburger Heide, Park Hochsauerland im Rothaargebirge. Park Eifel in der Vulkaneifel, Park Bostalsee am größten Gewässer im Hunsrück und Park Allgäu zwischen Alpengipfeln und Märchenschlössern. Belgien bietet an der See, in den Ardennen oder in Moorgebieten. Dänemark komplettiert den Reigen mit einem Park auf der Ostseeinsel Als.











